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Pioniere des biologischen Landbaues – was für Menschen sind das? Was trieb Landwirte dazu, auf viele künstliche, hochtechnisierte Hilfen für ihre Äcker, Felder, Weingärten und Tierherden zu verzichten und sich lieber Handarbeit und Kreislaufwirtschaft zuzuwenden? Diese und zahlreiche andere Fragen beantwortet Aurelia Jurtschitsch,  wenn sie die vierzig Lebensläufe im Dienste der Biolandwirtschaft skizziert. Sie bespricht auch die beiden ursprünglichen Methoden: die etwas ältere, biologisch-dynamischen nach Dr. Rudolf Steiner und die organisch-biologischen Wirtschaftsweise von Dr. Hans Müller und Dr. Hans-Peter Rusch. Zu Wort kommen nicht nur Praktiker draußen, sondern auch Wegbereiter in Forschung und Agrarpolitik, ohne die der Biolandbau wohl kaum seine heutige Verbreitung gefunden hätte.  

Dr. Aurelia Jurtschitsch hat Volkskunde und Kunstgeschichte studiert und erlebte ab 1977 selbst die Umstellung auf biologische Landwirtschaft im Langenloiser Familienweingut aus nächster Nähe. Heute lebt und arbeitet sie als Journalistin, Eventmanagerin und Künstlerin in Wien. 

Inhaltsübersicht:

Ab den 1960er Jahren stellten in Österreich vereinzelt Bauern bewusst auf biologische Landwirtschaft um. Die Autorin gibt die Lebensgeschichten der Protagonisten mit dem Fokus auf die Motivation zur Umstellung auf Biolandbau wider, die sich grob in zwei Argumentationslinien aufteilen lassen:

Bevorzugung des dahinter liegenden agrarischen Konzeptes in der Langzeitwirkung und akute Problembeseitigung.

Es wird aber auch die weitere Entwicklung und die Erfahrungen als Biobauer einbezogen, bei einigen bis zur Jetztzeit. Einzelne Passagen aus den Interviews vermitteln im Originalwortlaut Überzeugungen und Grundsätze bzw. die individuelle Mentalität und Persönlichkeit.

Das Buch umfasst zwei große Teile:
• Zu Beginn fünf fachlich-historische, aus den Lebensgeschichten extrahierte bzw. gesondert recherchierte Kapitel: Einleitung – Vorreiter – die österreichischen Pioniere – die ersten Verbände – Richtlinien anno dazumal
• Im Anschluss daran folgen die Biografien, folgendermaßen in drei Kapiteln gefasst: Umstellung nach reiflicher Überlegung – Umstellung aus akutem Anlass / Krankheitsfall – Wegbereiter des Biolandbaus in Lehre und Politik
• Einleitende Grußworte, eine nachgestellte Zeittafel, Namensregister komplettieren. 

44 Pioniere des Biolandbaus in Österreich, Vertreter der beiden ursprünglichen Methoden – der etwas älteren nach Dr. Rudolf Steiner, der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise, und der von Dr. Hans Müller und Dr. Hans-Peter Rusch festgelegten organisch-biologischen Wirtschaftsweise – werden vorgestellt. Darüber hinaus kommen auch mehrere Personen zu Wort, die die Idee des Biolandbaues in Forschung und Lehre und nicht zuletzt in die Agrarpolitik eingeführt haben.

Für einige Bauern kam der Anstoß zur Umstellung von außen, andere machten sich durch zwingende Probleme (mehrfach nach instensivem, Erfolg versprechendem Chemieeinsatz) auf die Suche und kamen zur biologischen Alternative. Sowohl Begeisterung als auch Unbill waren mit dem Umdenken und der Umstellung verbunden. Neue Freunde, aber ebenfalls Gegner traten auf den Plan, wenn man sich als Biobauer deklarierte. – Welche Werte vertrat /vertritt man und welche Ziele hat /te jeder einzelne vor Augen. Und wie konnte man sich schließlich als Gruppe agrarpolitisch durchsetzen?

Welche Charaktere stecken hinter dem Pioniertum, wie viel Innovationsgeist und Improvisationstalent musste jeder und jede einbringen, um sich fachlich zu bewähren? Was bedeutete es, in der örtlichen Gemeinschaft wie auch in der Bauernschaft seine Position als Biobauer /bäuerin zu beziehen?

Nicht nur Biobauern kommen zur Sprache, sondern auch Landwirtschaftslehrer, Wissenschafter, Agrarbeamte und Politiker, die den Paradigmenwechsel von konventioneller zu biologischer Landwirtschaft in ihren Funktionen mitgestalteten.

Theoretiker und Wegbereiter der Idee biologischer Landwirtschaft

Umrisshafte Portraitierung des Begründers der biologisch-dynamischen Methode, Dr. Rudolf Steiner und des Begründers der organisch-biologischen Landwirtschaft, Dr. Hans Müller, wobei die wesentliche Mitarbeit seiner Frau Maria Müller und die grundlegenden Erkenntnisse und Publikationen von Dr. Hans-Peter Rusch hier gleichermaßen dargestellt werden.

Hinweise auch auf Dr. Ehrenfried Pfeiffer und Alwin Seifert, ihr Wirken und ihre Publikationen. Da einige der allerfrühesten Umstellungen von Waerlandisten urgiert wurden, soll die Bedeutung der Lehre Are Waerlands stellvertretend für Kollath, Bircher-Benner und anderer Reformärzte erläutert werden.

Eindeutige Spuren führen auch zu Günther Schwab, der als Publizist Ende der 1950er Jahre in mehrfacher Hinsicht aufrüttelte und den Weltbund zum Schutz des Lebens gründete.

Die jeweiligen Werte, Grundüberzeugungen, Vorstellungen vom Lebendigen, von Landwirtschaft und von Gesundheit werden herausgefiltert.

Die österreichischen Biopioniere

Welche Argumente haben die österreichischen Bauern von den biologischen Alternativen überzeugt und was gab den Ausschlag für die tatsächliche Umstellung? Wie erfolgte der Informationsfluss, wie funktionierte das Netzwerk? Was waren die Eckpfeiler biologischen Wirtschaftens – und was veränderte sich im Lauf der Jahre? Nicht fehlen darf hier die Bedeutung des direkten Kundenkontaktes. Und schließlich die Frage, wie sich eine Biobauern-Gruppe formierte, die auch politisches Gewicht hatte.

Die ersten Bioverbände

2009 sind es 30 Jahre seit der Gründung des größten Biobauern-Verbandes in Österreich – ERNTE-Verband (1979) bzw. 40 Jahre beim Demeterbund Österreich (1969) und 50 Jahre für die Gründung der Förderungsgemeinschaft für gesundes Bauerntum (1959), die seit 1962 dezidiert für organisch-biologische Landwirtschaft eintritt.

Ein kurzer Abriss dieser drei ersten Verbände, der Gründer bzw. ersten Obmänner und ihrer Anliegen und Umstände macht die Themen der damaligen Zeit transparent.
Abgerundet wird das Bild durch eine Bestandsaufnahme der Situation von Bioverbänden im Jahr 2009, der die Bedeutung von BioAustria darstellt, zugleich auch ein Hinweis auf die Vielfalt der regionalen Bioverbände ist und auch die Möglichkeit der Deklaration als Codex-Biobauer einschließt.

Richtlinien anno dazumal

In der ORF-Publikation aus dem Jahr 1978 werden die damals von den Biobauern selbst entwickelt und als verpflichtend angesehenen Produktions-Richtlinien aufgelistet. Auszugsweise oder komplett kann dies wiedergegeben werden. In einer Überleitung, in der auch beteiligte Personen genannt werden, wird der Entstehungsprozess der europa- bzw. weltweit vorbildlichen Richtlinien aus dem Jahr 1981/82 nachgezeichnet, wie sie durch die Codexkommission

Die Biografien

Biobauern, die sich nach reifer Überlegung zur Umstellung entschlossen

Der biologisch-dynamisch geführte Wurzerhof feierte im Jahr 2007 sein 80jähriges Bio-Jubiläum und ist somit der älteste Biohof in Österreich.

Martin Ganitzer bewirtschaftete seit etwa 1960 seine Gartenparzelle organisch-biologisch. Er wurde engster Mitarbeiter von Dr. Müller und zur Auskunftstelle Nr. 1 für Biolandbau in Österreich. Michael Haitzmann/Saalfelden stellte 1964 um.

Ebenso Walter Eiböck/Leogang, der später erster Bundesobmann des Verbandes organisch-biologisch wirtschaftender Bauern Österreichs wurde.

Leopold Prenninger stellte das Gut des Klosters Nonnberg um.
Nach einem Vortrag von Dr. Rusch in Graz 1962, veranstaltet vom Waerland-Verein, bewirtschafteten Franz und Caroline Kappel ihre Pachtwirtschaft in Graz biologisch.

Franz Kappel war später der erste Kammerangestellte für Biolandbau in ganz Österreich.

Johannes Steinkleibel betrieb den ersten bäuerlichen Laden mit Bioprodukten in Graz.

Gerhard Conrad ist ein Vertreter des biologisch-dynamischen Landbaus und erhielt seine Anerkennung 1976. Josef Stelzl lieferte an Baldur Preiml sein hervorragendes Biogetreide für die österreichische Schispringer-Mannschaft.

Helga Wagner stellte in den 50er Jahren das Linzer Stadtgartenamt auf biologische Kompostwirtschaft um und ist treibende Kraft innerhalb der Förderungsgemeinschaft für gesundes Bauerntum, des ersten Bioverbandes in Österreich.

Hans Gahleitner hat nach extremer Kunstdüngerwirtschaft auf biologisch umgestellt und hat sich auf biologische Saatzucht spezialisiert.

Franz Heissenberger wurde erster Kammerberater für biologischen Landbau in NÖ und Verbandsobmann. Maria Steinhauser wirkte erst in Salzburg, brachte ihr Wissen nach NÖ.

Alois Wach stellte den ersten Obmann des Tiroler Verbandes organisch-biologisch wirtschaftender Bauern.

Toni Riser wurde Ab-Hof-Verkaufspezialist und zuletzt Grauviehzüchter.

Elmar Weissenbach gehört zur jüngeren Pioniergeneration, brachte den Dinkel nach Vorarlberg zurück und schuf die Marke Vorarlberger Freiland-Beef, selbstverständlich bio zertifiziert.

Rudi Löschenkohl war ein vorbildlicher Verbandsobmann der organisch-biologischen Biobauern Kärntens und Martin Ertl ist begeisterter Vorreiter der Lebensleistungszucht bei Rindern.

Um den Neusiedlersee fand schon Ende der 1970er Jahre eine Handvoll Weinbauern – jeder ein Pionier der Sonderklasse – zum Biolandbau: Johann Steindl, Eugen Wimmer, Rudolf Beilschmidt u. a. Biobauern, die durch akute Probleme oder Krankheitsfälle zum Biolandbau kamen.

Hans Kainberger war erster oö Landesobmann des Verbandes organisch-biologisch wirtschaftender Bauern.

Gerhard Plakolm brachte den Biolandbau an die Hochschule für Bodenkultur Wien. Sylvester Brandner bekam von seinem Tierarzt den Hinweis auf Biolandbau.

Hubert Falkinger errang den ersten Umweltschutzpreis für die Biobauern.

Rudolf Nagiller war es von Natur aus unmöglich, mit Kunstdünger und Spritzmitteln zu hantieren und zu arbeiten, er musste Biobauer werden.    

   
Karl und Anna Schuster hatten nach dramatischen gesundheitlichen Problemen umgestellt und waren lange Jahre die einzigen Biobauer in NÖ in der Buckligen Welt.

Karl Brader bekämpfte und besiegte (!) seinen Tumor, er wurde Biodinkelbauer – und Energiearbeiter.

Dem Bio-Obstbauern Fritz Loidl hatten zuvor die Spritzmittel einen Denkzettel verpasst.

Hubert Vetter sorgte nicht nur als innovativer Biobauer und Landesobmann für Aufsehen in der Öffentlichkeit, sondern auch durch seinen architektonisch bemerkenswerten und prämierten Neubau seines Hofes.

Peter Amann ist Gründer der Kopra (Konsumenten-Produzenten-Verband). Der promovierte Biobauer kombiniert psychologisch betreute Sozialarbeit nach Viktor Frankl mit der Arbeit im Biobauernhof.

Als sich Peter Prasser 1971 entschloss, seinen Hof umzustellen, war es eine offensichtliche Sache: er brachte allen Vorrat an Kunstdünger und Spritzmitteln ins Lagerhaus zurück.

Durch gesundheitliche Beschwerden aufgerüttelt ließ DI Ernst Zöchling fortan nicht mehr locker, Bauern für biologische Landwirtschaft zu gewinnen.

Für Winzerpionier Eugen Wimmer waren die giftigen Spritzmittel ausschlaggebend, völlig auf bio umzusteigen.

Pioiere im agrarischen Bildungs- und Forschungswesen, in der Beratung und Politik

Mitte der 1970er Jahre: Josef Willi förderte als Leiter der Ausbildungsstelle in der Landwirtschaftskammer Tirol den Biolandbau und bot erste Kurse zur Einführung in die biologische Landwirtschaft an. Herbert Fill führte als Direktor der landwirtschaftlichen Fachschule Hohenems als erster biologischen Landbau als Unterrichtsfach ein.

DI Gerhard Plakolm verhalf 1976 mit seinem Symposium der Hochschule für Bodenkultur dem biologischen Landbau dort zum Durchbruch. Als Berater war DI Stefan Ibeschitz erstes Bindeglied zwischen Biobauern und der burgenländischen Landwirtschaftskammer.

Im Landwirtschaftsministerium fand der Biolandbau unter Bundesminister a. D. Dr. Josef Riegler und Ministerialrat DI Alois Posch besondere Förderung. 1990 hatte DI Franz Schlögl als erster in Österreich eine Ausbildung zum Umstellungs-Berater für Biolandbau absolviert und in einem von Landrat Paul Rittsteuer geförderten Projekt innerhalb eines Jahres über Hundert Bauern auf biologischen Landbau umgestellt.
 

Gesamtredaktion Ruth M. Wallner 

ISBN 978-3-205-78515-6

Preis in €: 29,90

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